Was Deutschland von den Finnen lernen kann
Liisa Niveri beschreibt in ihrem Artikel auf Spiegel-Online vom 09.05.2008, wie Finnland mit Migrantenkindern umgeht, was deren Muttersprache betrifft. Anders als in Deutschland wird die Muttersprache geachtet und gefördert, die Zweisprachigkeit der Kinder geschätzt.
In dem Artikel finden sich - mit deutschen Verhältnissen verglichen - erstaunliche Informationen:
“Wir setzen auf die Vorteile der multikulturellen Gesellschaft, indem wir zum Beispiel die Bedeutung der Muttersprache verstanden haben”, sagt Johanna Suurpää, Minderheitenbeauftragte im Innenministerium. Muttersprachenunterricht gibt es laut Bildungsministerium in 50 verschiedenen Sprachen in 70 verschiedenen Gemeinden. In den Schulen läuft zweieinhalb Stunden Muttersprachenunterricht pro Woche, die Kinder bekommen auch ein ausführliches Zeugnis dafür. Ziele des Unterrichts: das Interesse des Kindes an der Muttersprache wecken, sein Denken fördern, Identität und Selbstbewusstsein stärken. Die Muttersprache ist das A und O für das Erlernen der Zweitsprache. Zudem erhalten alle Eingewanderten, die noch nicht Finnisch können, vorbereitenden Unterricht - nach indviduellen Plänen, die in Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule und Kind entstehen. “Vor allem russische Eltern wundern sich häufig, dass es so wenig Hausaufgaben gibt. Ich sage ihnen immer, das Kind ist den ganzen Tag in einer fremden Umgebung und sollte sich deshalb zu Hause erholen”, so Reija Klutse-Toikka, Lehrerin an der Roihuvuori Schule in Helsinki. “Ich habe jetzt ein thailändisches Mädchen in die Klasse bekommen und mich sofort nach ihrer Muttersprache erkundigt. Falls sie Schwierigkeiten mit Finnisch bekommt, weiß ich besser, ob sie eine Lernschwierigkeit hat oder ob es mit ihrer Ursprungssprache zu tun hat.”
Findet der vorbereitende oder der Muttersprachenunterricht nicht statt, dann liegt es nie am Geld, sondern daran, dass man keinen Lehrer für diese Sprache gefunden hat.
Schlagworte: Finnland, Migrantenkinder, Muttersprache, Sprachunterricht, Zweisprachigkeit