Warum unsere Kinder Tyrannen werden

In der Bild-Zeitung läuft zur Zeit eine Serie über “die schlimmsten Erziehungsfehler”. Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff klärt uns auf, was falsch läuft in der modernen Erziehung und wie und warum immer mehr Kinder zu Tyrannen werden.

Beispiel (Quelle):

Unser Sohn (5) kaut ständig an den Nägeln. Wir haben Nagellack probiert, mit ihm geredet – aber alles vergeblich. Was tun?

Dr. Michael Winterhoff, Kinder- und Jugendpsychiater: „Ihr Sohn will mit dem Nägelkauen Ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie sollten es ihm einmal klar verbieten und seine Nägel vorsorglich kurz schneiden. Wenn er es trotzdem weiter tut, immer den Fernseher ausschalten oder das Vorlesen unterbrechen, bis er aufhört. Zeigen Sie aber keine Wut oder Aufregung, das will er nur erreichen.“

Aha. Verbieten, Nägel kurz schneiden, Fernseher aus und Buch zu.

Aber WELCHES PROBLEM hinter dem Nägelkauen steckt, wegen dem er Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, wird nicht hinterfragt.

Ein bisschen so, als ob jemandem, der wegen eines geöffneten Fensters friert, geraten wird, er solle sich wärmer anziehen, anstatt das Fenster zu schließen. 8O

Zu der Erziehungsserie gibt es auch zwei Beiträge auf dem Heulers-Blog: Bitte zuerst diesen und danach diesen Beitrag lesen. ;-)

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4 Antworten zu “Warum unsere Kinder Tyrannen werden”

  1. 1000Sunny sagt:

    Dieser Winterhoff ist echt eine peinliche Erscheinung.
    Ich habe leider sehr lange Nägelgekaut. Fing in einem Schullandheim an.
    Wenn ich kurze Nägel hatte, habe ich weitergekaut. In der Kolloquiumsprüfung bis ich blutete (das tut höllisch weh! ).
    Aufgehört hat das ganze erst, als ich mich geistig von der Schule verabschiedete. Das war so der Zeitraum, in dem ich mit Homeschooling und anderen “Systemen” in Berührung kam.
    Dann löste sich der Druck. Und das Fingernägelkauen verschwand, die Computerspielsucht verschwand, die Fernsehsucht verschwand.

    1000Sunny

    PS: Es kam noch mal kurz wieder: Als ich Kontakt mit dem Kultusministerium hatte, und wieder dieselbe Hilflosigkeit spürte.
    PPS: Ich wollte nie Wut und Aufregung erreichen. Ich versuchte sogar selber alle Mittel um aufzuhören (z.B. Nagellack der übel schmeckt, aber an den Geschmack gewöhnte ich mich schnell).

  2. Olivetti sagt:

    Werdet mal etwas locker!
    Schnappt euch mal einen Feldstecher und seht in einer klaren Nacht ohne Mond der Sternenhimmel an. Mit etwas Glück findet ihr z.B. die Andromedagalaxie oder den Orionnebel. Ihr seht Millionen und Milliarden von Sternen. Glaubt Ihr da allen Ernstes, Ihr und Eure Entscheidung haben irgendwelche Konsequenzen. Für die Zeit seit Ihr ebenso bedeutsam wie für euch die Ameisen. Die Krankheit unserer Welt ist, dass sie sich viel zu wichtig nimmt.
    Jesus wurde gefragt, wie es sich mit den Steuern verhält. Er antwortete: Gebt des Kaisers was des Kaisers ist und gebt Gott was Gottes ist.
    Das Problem ist folgendes: Man will das Geld des Kaisers, aber nicht die Pflichten für den Kaiser! Zu deutsch: Jesus sagte: Lasst den Tand dem Kaiser, gebt Euch nicht mit diesen Mächten ab! Oder modern ausgedrückt: Lasst die Bildzeitung dem Springerverlag! Dann hat die Bildzeitung keine Macht über Euch! Wenn sie keiner kauft, können die quacksalbern, was sie wollen!

  3. Olivetti sagt:

    Alle in dieser Gesellschaft leben in Saus und Braus. Dem Schlechtesten geht es noch besser als Vielen anderen auf dieser Welt! Aber dies hat seinen Preis: Ausgebeutete Menschen und “vergewaltigte” Kinder.
    Aber man/frau will es so! Urlaub, Porsche, Haus, Protz. Das funktioniert NUR so und in dieser Gesellschaft. BILD gehört da notwendigerweise dazu!

    Wer die Fenster schließt, kann seinen Pelzmantel nicht vorführen!!!!!
    Und den anderen keine Schuld mehr geben!!!

  4. Unsere Kinder - alles kleine Tyrannen? « KiFaSchuLe sagt:

    [...] Unsere Kinder - alles kleine Tyrannen? Laut des “Erziehungsaufklärers” Dr. Michael Winterhoff machen wir bei der Erziehung unserer Kinder schlimme Fehler und machen sie damit zu kleinen Tyrannen. (siehe auch hier) [...]

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