Machtmittel Noten

By KiFaSchuLe

Eine Schule ohne Noten, davon träumt wohl jeder Schüler… Gibt es nicht? Doch!

Auf Welt-Online beschreibt ein am 19.05.2008 erschienener Artikel, wo Schule auch ohne Noten auskommt.

Auszüge:

Der Morgenkreis in der Freien Schule Pankow. Die Gesprächsleitung hat jeweils ein Schüler. Zain [der Lehrer] hört zu, nickt gelegentlich. Lehrbücher auf den Tischen gibt es nicht. Ein Lehrerpult: Fehlanzeige, Notenhefte sowieso. Denn Zensuren werden nicht verteilt an der alternativen Schule.

Dass jeder in seinem eigenen Tempo lernen kann, ist Prinzip an der Freien Schule. Regelmäßig finden Gespräche statt mit dem zugeordneten Lehrer, dem Tutor, über individuelle Lernziele und deren Erreichbarkeit. Gelegentlich gibt es sogar so etwas wie schriftliche Tests, aber auch diese sind nicht verpflichtend. Manchmal allerdings, erzählt Nader Zain, „wollen sie Schule spielen“. Dann müsse er den Leistungsstand doch einmal in Noten umrechnen. Wo die Schüler stünden, wüssten sie aber ohnehin. „Jeder Tutor kümmert sich um neun Kinder. Da ist man ganz dicht dran, kann ständig gucken, wie weit der einzelne ist.“

Dass individuelle Förderung zu allererst etwas mit Ressourcen zu tun hat, weiß Bernhard Sommer aus Erfahrung. Für den Schulleiter der öffentlichen Grundschule unter den Kastanien ist deshalb nicht die Frage nach Benotungssystemen entscheidend. „Der Punkt ist doch, wie man damit umgeht, ob das eher eine Drohung ist oder eine Rückmeldung in Verbindung mit entsprechendem Förderangebot.“

Wenn Noten nur eine Rückmeldung wären, die ein Schüler auf seinen Wunsch hin bekommt, wenn er selbst wissen möchte, wo er steht (also nicht ungefragt), dann könnte viel Schulstress und Leistungsdruck vermieden werden. Dann würde man für sich selbst und nicht nur für das Zeugnis lernen.

Aber die Wirklichkeit sieht an deutschen Regelschulen leider anders aus, denn Noten sind ein Machtmittel, eine Drohung.

Was “machen” Noten? Auf der Seite der Berliner Schule für Erwachsenenbildung e.V. (wo Erwachsene die Mittlere Reife oder das Abitur mittels selbstbestimmten Lernens und ohne Notendruck nachholen können) ist das sehr gut beschrieben:

- Noten sind scheinbar objektiv, sagen aber nichts über den Lernfortschritt aus.
- Noten dienen als Druckmittel zur Motivierung und Disziplinierung.
- Noten wirken als „Neugier-Bremse“.
- Notenorientierter Unterricht wird in abfragbare Häppchen ohne Zusammenhang strukturiert.
- Noten schaffen Konkurrenzdruck und bilden Hierarchien zwischen den Lernenden.

Hängt der Wert eines Menschen von seinen Noten ab? Sagen sie wirklich etwas über sein Wissen aus? Ist das Abschlusszeugnis als “Eintrittskarte” in das Erwachsenenleben wirklich das einzig entscheidene Kriterium für ein späteres erfolgreiches (oder glückliches?) Leben?

Zeugnis: Eintrittskarte ins Leben?
Bild: © Claudia Hautumm / PIXELIO

Schlagworte: , , , ,

Einen Kommentar schreiben