Zu einem Baby gehören selbstverständlich Schnuller, Milchpulver, Fläschchen, Sauger, Fläschchenwärmer, Flaschenbürste, Sterilisator, Kinderwagen, Wiege, Stubenwagen, Windeln und so weiter, und so weiter…. Oder?
Einen Schnuller habe ich meinem Kind ein einziges Mal in den Mund geschoben. Mein Kind spuckte das Plastikteil protestierend wieder aus. Danach habe ich den Schnuller nie wieder benutzt und ihn schließlich irgenwann weggeworfen. Heute bin ich froh darüber, dass ich meinem Kind den Schnuller gar nicht erst angewöhnt habe.
Im Forum “Rund ums Baby” hatte eine Besucherin die Frage gestellt, ob Schnuller schädlich sind. Die Forumsbenutzerin Biggi Welter gab am 04.07.2005 darauf folgende informative Antwort (der Beitrag ist online leider nicht mehr verfügbar):
Der Schnuller ist nicht “böse” und manchmal kann ein Schnuller durchaus seine Berechtigung haben, aber es sollte wenn er überhaupt eingesetzt wird dosiert verwendet werden, so wie ein Medikament.
Von Stillberaterinnen wird die Gabe des Schnullers kritisch gesehen, da wir immer wieder mit den Folgen des Schnullergebrauchs, vor allem bei kleinen Säuglingen, konfrontiert werden.
Babys (und Kleinkinder) haben ein natürliches Saugbedürfnis. Dieses Saugbedürfnis dient dazu, dass sie die Nahrung bekommen, die sie brauchen um zu wachsen und zu gedeihen. Saugen beruhigt das Kind außerdem. Von der Natur ist es vorgesehen, dass ein Kind sein Saugbedürfnis an der Brust befriedigt und so gleichzeitig seinen Hunger und auch sein Saugbedürfnis stillt. Beim Schnuller handelt es sich um nichts anderes als um eine Brustattrappe, eine Kopie. Und nun ist es eben so, dass eine Kopie nie wirklich das Original vollständig erreicht und das gilt auch und besonders für den Schnuller. Diese Attrappe kann manchmal sinnvoll und hilfreich sein, wenn sie überlegt und wohl dosiert eingesetzt wird. Aber Eltern sollten sich auch der Nebenwirkungen des Schnullers bewusst sein:
o Schnuller sind künstliche Sauger und können beim Baby zum falschen Saugen an der Brust führen. Diese sogenannte Saugverwirrung kann ernsthafte Stillprobleme nach sich ziehen.
o Durch Schnuller wird die Zeit, die das Baby an der Brust der Mutter verbringt eingeschränkt, was die Milchbildung der Mutter negativ beeinflussen kann.
o Kinder ohne Schnuller erkranken seltener an Mittelohrentzündungen.
o Schnullergebrauch kann Kieferfehlstellungen begünstigen.
o Schnullergebrauch kann zu einer ungünstigen Mundatmung führen. Eine offene Mundatmung führt zu einer erhöhten Infektanfälligkeit und kann Haltungsprobleme begünstigen.
o Kinder, die einen Schnuller hatten, brauchen häufiger eine logopädische BehandlungEin Aspekt, der auch nicht zu vernachlässigen ist, ist, dass Eltern dem Kind den Schnuller zunächst angewöhnen und dann (nach einer mehr oder weniger langen Zeit) wieder abgewöhnen. Das Abgewöhnen des Schnullers kann sehr nervenaufreibend für alle Beteiligten sein. Ein “schnullerabhängiges” Kind kann in der Nacht sehr oft die Eltern aus dem Bett springen lassen, weil es zum Wiedereinschlafen oder Weiterschlafen den Schnuller braucht und ihn alleine nicht findet.
Im Gegensatz zum Daumen, kann der Schnuller fast ununterbrochen im Mund bleiben. Das Kind muss ihn nicht heraus nehmen, wenn es beim Spielen seine Hände braucht. Der Daumen wird daher schon aus praktischen Gründen weniger oft genommen werden.
Interessante Informationen bieten die Veröffentlichungen von Gudrun von der Ohe, einer Ärztin und Still und Laktationsberaterin IBCLC “Der Schnuller und seine Auswirkungen” (in Laktation und Stillen Heft 3/1999) und “Schnuller und plötzlicher Kindstod” (in Laktation und Stillen Heft 4/2000) sowie die Facharbeit der Logopädin Caroline Schallhammer, IBCLC “Stillen als Prävention in der Logopädie” die sich ebenfalls ausführlich mit dem Schnuller beschäftigt.
Wird ein Kind nach Bedarf gestillt, braucht es nur in den seltensten Fällen Schnuller oder Daumen, da es sein Saugbedürfnis vollständig an der Brust gestillt wird. Ein gestilltes Bedürfnis verschwindet.
Du siehst, dass ich dem Schnuller gegenüber eher kritisch eingestellt bin. Doch da Du dir offensichtlich Gedanken über das Pro und Contra des Schnullers machst, wollte ich dir diese Informationen nicht vorenthalten.
Es ist nicht das Baby, das den Schnuller braucht, sondern es sind die Eltern, das sollte sich jede Mutter und jeder Vater bewusst machen. Von der Natur ist der Schnuller nicht vorgesehen und das Kind verlangt auch nicht nach dem Schnuller, sondern nach dem Original und das ist die Brust. Der Schnuller ist nichts anderes als eine Brustattrappe.
Der Schnuller ist nicht die einzige Möglichkeit, ein aufgebrachtes oder sonstwie unruhiges Kind zu beruhigen, es gibt auch Alternativen.
Du (bzw. dein Mann) kannst dein Kind tragen. Durch das Tragen wird das Bedürfnis des Kindes nach Körperkontakt, Geborgenheit, Wärme und Nähe gestillt und mit einem gut gebundenen Tragetuch hast Du mindestens eine Hand frei, um andere Dinge zu tun.
Das Kind kann gebündelt werden. Das Bündeln gibt dem Baby das Gefühl von Geborgenheit und lässt es seinen Körper und seine Grenzen spüren. Das Gefühl von Begrenzung hilft dem Kind sich sicher zu fühlen.
Ihr könnt ein Nest bauen. Auch hier ist die Begrenzung der springende Punkt, der dem Kind Geborgenheit vermittelt.
Massage, eine warmes Bad oder auch ein warmes Körnerkissen können beruhigend wirken. Schaukelbewegungen (Wiege, Hängematte, Schaukelstuhl, mit Tragetuch spazieren gehen, Kinderwagen), monotone Geräusche (Staubsaugen, Auto fahren), beruhigende Musik, Singen und Tanzen mit dem Baby und auch der Schutz vor Überreizung (viele Besucher, Fernseher) helfen einem Kind sich zu beruhigen.
Als Saugersatz bietet sich ein Finger (von Kind oder Vater oder Mutter) oder eventuell auch ein Lutschetuch an.
Sicher ist es nicht immer der leichteste Weg, wenn die üblichen “ausgetretenen” Pfade verlassen werden, aber ich denke, es lohnt sich, andere Alternativen zu versuchen.
Wenn ein Schnuller eingesetzt wird, dann wirklich absolut sparsam, so wie ein Medikament.
Ich habe mein Kind bis kurz vor seinem ersten Geburtstag vollgestillt. Danach fing es an, Beikost zu essen. Milchpulver und das dazugehörige Equipment stand unbenutzt im Küchenschrank.
Einen Stubenwagen hatte ich mir von einer Verwandten ausgeliehen. Er stand nur im Weg und nahm Platz weg. Mein Kind lag bei mir im Bett, das war viel praktischer. Ich musste zum Stillen nicht aufstehen, drehte mich zum Stillen einfach auf die Seite. Mein Kind musste auch nicht aus Leibeskräften schreien, bis ich aufmerksam wurde. Da es direkt neben mir lag, reichte schon ein leises Wimmern, bis ich reagierte.
Einen Kinderwagen hatte ich die ersten vier Monate gar nicht. Ich trug mein Kind im Tragetuch. Leider bekam ich dann heftige Rückenschmerzen und kaufte einen Kinderwagen. Aus heutiger Sicht hätte ich es einfach mal mit einer anderen Wickeltechnik oder einer anderen Tragehilfe versuchen und nicht so schnell aufgeben sollen, dann hätte ich den Kinderwagen vielleicht gar nicht gebraucht.
Schnuller, Milchpulver samt Zubehör, Stubenwagen, Kinderwagen… ich hätte mir eine Menge Geld und Mühe sparen können, die Dinge zu kaufen bzw. auszuleihen, wenn ich gewusst hätte, dass ich das alles gar nicht brauchen würde.
Zwar hatte ich in der Schangerschaft jede Menge Bücher übers Stillen, Tragen und Familienbett gelesen. Aber es war mein erstes Kind, ich war unerfahren und fühlte mich unsicher. Vorsichthalber hatte ich mir diese ganzen Dinge dann doch besorgt. Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.
Von der obigen Aufzählung bleiben dann noch die Windeln übrig. Eigentlich wollte ich mein Kind in Stoffwindeln wickeln, aber leider blieb ich aus Bequemlichkeit dann doch bei den Wegwerfwindeln hängen.
Bei der Teilnahme an einem konsumkritischen Stadtrundgang hörte ich später, dass ein Kind bei uns, bis es Laufen lernt, durch die Wegwerfwindeln bereits mehr Papier verbraucht hat, als ein Afrikaner in seinem ganzen Leben. Was für eine Verschwendung von Ressourcen.
Man kann es im ersten Moment vielleicht gar nicht glauben, aber auch auf Windeln könnte man verzichten, wenn wir das Wissen hätten, was Naturvölker noch haben und wir auf die Signale unserer Kinder achten würden:
Hierzu ein interessanter Artikel auf suedostschweiz.de vom 05.06.2008:
Kein Tier in freier Wildbahn legt sich in den eigenen Kot oder macht dort hin, wo es frisst. Sollte das ausgerechnet bei uns Menschen anders sein? Sollte es «normal» sein, dass sich ein Baby vollmacht und dann – in den Windeln – womöglich stundenlang im eigenen «beschmutzten Nest» liegt? Solche Fragen liessen Rita Messmer keine Ruhe. Wenn etwas so Elementares in der Tierwelt selbstverständlich ist, wunderte sich die dreifache Mutter, um wie viel mehr muss es die Natur dann hoch entwickelten Lebewesen buchstäblich in die Wiege gelegt haben?
In nichtindustrialisierten Kulturen in Asien, Amerika und Afrika werden Babys traditionell am Körper getragen, weiss Messmer. Die Menschen in diesen Kulturen lassen ihren Nachwuchs, den sie zum Teil nackt in Tüchern auf sich tragen, keineswegs einfach über sich pinkeln oder stuhlen. Das Baby scheint also der Mutter rechtzeitig zu signalisieren, dass es muss. Und diese reagiert sehr sensibel auf das Geschäft ihres Kleinsten – weil sie dessen Signale versteht.Die Probe aufs Exempel
Demgegenüber behaupten gewisse Experten, ein Kind könne bis zum Alter von drei Jahren seine Blase nicht kontrollieren. Es sei ganz normal, wenn das Kind bis dahin in die Windeln mache. «Nachdem ich auf meinen zahlreichen Reisen viele Erfahrungen mit anderen Kulturen gesammelt hatte, wollte ich bei meinen eigenen Kindern die Probe aufs Exempel machen», erinnert sich Messmer. «Schnell zeigte sich, dass die Behauptung vieler Psychologen und Pädiater nicht stimmen konnte.»
Ihren Sohn Stefan hielt Messmer im Alter von drei Monaten über die WC-Schüssel und hiess ihn Pipi machen – für den Topf war er ja noch zu klein. «Also machte ich es wie die Frauen bei den Naturvölkern – anstatt über den Wegrand hielt ich ihn einfach über die Toilette.» Kaum hatte sie fertig gesprochen, ergoss sich auch schon ein kleiner Springbrunnen in die Toilettenschüssel.
Schon im Säuglingsalter trocken? Zunächst wollte Messmer noch an einen Zufall glauben. Als sich die Szene aber immer wieder auf die gleiche Weise wiederholte, konnte kein Zufall mehr im Spiel sein. «Ich stellte auch fest, wie er jedes Mal nach dem Windelöffnen geradezu darauf wartete, übers Klo gehalten zu werden.» In ihrem Buch «Ihr Baby kann’s!» schreibt die Autorin Messmer: «Unzählige Mütter haben dieses Verfahren mittlerweile ausprobiert, und sie stellen mit Erstaunen fest, dass es auch bei ihnen klappt.»
Schlagworte: Familienbett, Flaschenwärmer, Kinderwagen, Milchpulver, Muttermilch, Sauger, Schnuller, Stillen, Stubenwagen, Tragehilfe, Tragetuch, Wegwerfwindeln, Wiege, windelfrei, Windeln
Samstag, 20.09.2008 um 14:31 |
das war gut. Der Artikel ist genial!
Samstag, 20.09.2008 um 20:44 |
Danke, das freut mich!