Ich persönlich stehe mit Mathematik ziemlich auf Kriegsfuß, umso mehr verblüfft mich die Aussage des Spon-Artikels vom 01.06.2008, dass wir alle logarithmisch denken, bis der Schulunterricht es verdrängt.
Auszug:
“Unsere Untersuchungen zeigen, dass Menschen eine fundamentale Veranlagung dafür haben, Zahlen und Raum zusammenzubringen”, sagt Harvard-Forscherin Elizabeth Spelke, Co-Autorin der Studie, die im Wissenschaftsmagazin “Science” (Bd. 320. S. 1217) erschienen ist. Offenbar sei eine logarithmische Anordnung von Zahlen universell. Die lineare Skala, die Schüler und Erwachsene aus westlichen Ländern verwendeten, sei vermutlich Ergebnis der mathematischen Ausbildung und habe somit kulturelle Gründe.
“Offensichtlich können Menschen Zahlen auf zwei verschiedene Arten räumlich sortieren”, erklärt Dehaene. Die logarithmische Methode sei die intuitivere, sie sei Ergebnis der Primatenevolution. Menschen würden sie immer noch nutzen, solange sie über kein mathematisches Handwerkszeug verfügten. “Durch Bildung erlernen wir auch lineares Skalieren.”
Was wir alles könnten, wenn uns nicht die Schule dazwischen gekommen wäre!
Auf dem Bildungsfreiheit-Blog hat “Wort, Bild, Gedanke” dazu folgende Gedanken:
Das gefundene anthropologische Phänomen macht aber auch deutlich, wie leicht Lernen gleichzeitig auch Verlernen ist. Und dies macht deutlich, wie riskant Lernen ist und wie behutsam man bedacht darauf sein sollte, was man lernt. Lernen ist also nicht automatisch gut, es ist mit Risiko verbunden, welches bedacht sein will. Es zeigt sich einmal mehr, daß Bildung mehr ist als Lernen. Mit der notwendigen Behutsamkeit in Sachen Lernen verträgt sich nicht die Anmaßung, eigene Lehrpläne und Lernziele allen anderen verbindlich vorzuschreiben. Wie leicht hat man sich geirrt! Oder hätten Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, gedacht, daß das verlernte logarithmische Denken wertvoll ist, ja alltägliches Lösungspotential birgt? Und: Wieviele Schüler verstehen Logarithmik in der Schule nicht (mehr)?
Wenn nun Lernen auch Verlernen ist, dann bedarf es unbedingt einer Vielzahl individueller Lernziele und Bildungswege. Politik, die hier – eine Schulpflicht postulierend – alles für alle vorschreibt, muß fehlgehen. Dieses Risiko ist zu hoch und schon gar nicht kann die Durchsetzung dieser Anmaßung via Staatsgewalt und Schulzwang sinnvoll und nützlich sein. Nur bei vielfältigen Bildungswegen bleibt uns allen das Wissen derer erhalten, die das eine nicht verlernten, weil sie anderes nicht lernten.
Wie wertvoll das Engagement für uns alle ist, nach Bildungsfreiheit zu streben, diese zu verteidigen und auch den eigenen Kindern zu ermöglichen, wird auch an diesem Beispiel sichtbar: Die Bildungsfreiheit des Einzelnen ist Gewinn für uns alle.
In solcher Gesellschaft möchte ich leben.
Diesem Wunsch schließe ich mich an.

Schulbildung verdrängt altes Wissen
Bild: © Gerd Altmann(geralt) / PIXELO
Schlagworte: Bildung, Evolution, Lernen, Logarithmus, Mathematik, Schulwissen, Vergessen