Förderwahn oder wirklich sinnvoll?
Auszug aus einem am 21.05.2008 auf RP-Online erschienenen Artikel:
Jonas ist fast ein Jahr alt und hat gerade gelernt zu stehen. Geschickt zieht er sich an den Beinen seiner Mutter hoch und brabbelt begeistert ein paar Laute. Obwohl er noch nicht sprechen kann, nimmt er bereits an einem Englischkursus teil.
So wie seine vier „Klassenkameraden“, Carla, Leo, Jasper und Anna, tobt er durch das kleine Spielzimmer, krabbelt auf allen Vieren auf einen Ball zu und kaut zufrieden darauf herum, während seine Mutter seine Nase, Ohren und Füße berührt und ihm mit Reimen englische Ausdrücke einprägt: „Taptaptap on my baby’s ears.“
Schlagworte: Förderwahn, Frühförderung, Kleinkinder, Sprachkurse, Zweisprachigkeit
Montag, 16.06.2008 um 09:59 |
Ich habe Englisch auch in der Schule erlernt, und ich konnte und kann es gut bis sehr gut (gebrauchen). Eine Freundin von mir hat als Erwachsene Italienisch gelernt und noch bevor sie ganz nach Italien zog, die Sprache nahezu fließend gesprochen. Jetzt spricht sie völlig fließend inklusive dem Dialekt der Region, wo sie wohnt, nur hat sie ihren eigenen Angaben zufaolge immer ein bißchen Akzent. Aber ich selber wohne schon über 20 Jahre im Badischen und habe noch immer einen deutlich augschburgerischen Akzent (und werde ihn sicher nicht loswerden).
Die Kinder einer Freundin aus Frankreich, die zu Hause lernen, sprechen nach den Aussagen des Inspektors, der jedes Jahr die Kontrollen der Bildung zu Hause durchführt, gut Englisch (viel besser als Schulkinder gleichen Alters). Die Mutter, die gut Englisch kann (aber durchaus nicht fehlerfrei oder fließend), hat einfach zu Hause mit ihnen immer wieder mal Englisch gesprochen. Und sie haben Sprachspiele und -programme für den PC, die sie wohl gerne nutzen.
Vielleicht erinnern sich einige noch daran, daß in früheren Zeiten in besseren Häusern Französisch gesprochen wurde (einfach die Familienmitglieder so untereinander, zur täglichen Konversation), ein vergelichbares Beispiel – es braucht nicht explizit Sprachkurse fürs Sprachenlernen.
Wie immer führen sicher viele Wege ans Ziel (und für manchen, der einfach kein Ohr für eine andere Sprache hat, vermutlich kaum einer). Solange die Babies nicht gegen ihren Willen regelmäßig zu den Sprachkursen geschleppt werden, ist’s ja gut. Aber es sollte halt nicht in Förderwahn ausarten – zum Wohle der Kinder.
Montag, 16.06.2008 um 11:11 |
Zweisprachigkeit ist ja eine super Sache. In der Verwandtschaft hat ein Knirps ab dem Kindergarten (kommt jetzt in die 5. Klasse), jeweils einmal pro Woche englisch gelernt. Der Erfolg ist eher mäßig. Eine Sprache muss gelebt werden, um sie wirklich zu lernen. Eine Freundin war mit ihren Töchtern in England, um selbst einen Sprachkurs zu besuchen, die Kleine hat im Kindergarten nach nur zwei Monaten englisch gesprochen.
Die gängige Meinung die mir hier um die Ohren gehauen wird ist: “Wenn ich kein Muttersprachler bin, dann darf ich auch keine Fremdsprache mit meinem Kind sprechen, das arme Ding lernt doch dann alles Falsch.” Ist das wirklich so? Ist alles in Stein gemeißelt, was sie früh lernen oder ist es schwerer etwas “falsches” zu korrigieren als etwas völlig unbekanntes neu zu lernen?
Montag, 16.06.2008 um 16:16 |
Ich denke mal, es geht darum, der fremden Sprache gegenüber keine Blockaden zu entwickeln und die Sache auch mit Freude, spielerisch anzugehen. Dann würde Fehler machen (und auch Fehler vorgesetzt bekommen) nicht so viel ausmachen, es ginge eher darum, ein Gefühl für die fremde Sprache, ihre Eigenheiten, ihren Klang zu entwickeln. (Und zu Hause darf ein Kind auch seine Mutter oder seinen Vater korrigieren, wenn diese einen Fehler machen, aber in der Schule oder in Kursen hat es kein Lehrer gerne, wenn er von einem Schüler korrigiert wird, deshalb ist das Fehlermachen dort auch so verpönt.)
Man darf ja auch nicht vergessen, daß die meisten LehrerInnen keine Muttersprachler sind, die den Kindern in der Schule die Fremdsprachen beizubringen versuchen. Und daß Muttersprachler, die als Schüler an so einem Unterricht teilnehmen müssen, oft keine guten Zensuren in dem Fach, das ihre eigene Sprache vermitteln soll, bekommen. Das eine ist halt echte, gelebte Sprache – das andere künstlich in Sprachlaboren und aus zweiter Hand erlernte und weitergegebene Sprache.
Ich selbst habe in der Unter- und Mittelstufe des Gymnasiums mit meinen Freundinnen gerne auch die bereits im Unterricht vermittelten Sprachen praktisch angewendet: Wir haben damals untereinander mitunter Lateutschenglisch geschrieben und geradebrecht – bestimmt mit Fehlern, aber wir haben die Sprachen angewendet und den Unterrichtsstoff ohne falsches Genieren lebendig werden lassen. In der Oberstufe haben wir in Französisch oft als Aufgabe bekommen, kleine Stücke vorzuführen oder vorzusprechen, die wir uns selber ausdenken durften. Auch das habe ich mit großer Freude mit einigen Freundinnen zusammen gemacht. Abgesehen davon habe ich meine Hausaufgaben im selben Fach oft nicht gemacht, weil sie mir zu langweilig waren. Das Vorführen/Vorsprechen wurde nicht pingelig korrigiert, es diente einfach der Übung des sich auf Französisch Ausdrückens.
Es gibt einfach zu viele Vorurteile, wie Lernen angeblich am besten und wie es angeblich gar nicht funktionieren soll …
Montag, 02.03.2009 um 21:04 |
Spielerisches lernen ist mit Sicherheit anfangs das beste was einem “Kind” gegeben werden kann!
In der Schule ( in einem Klassenzimmer ) ist es als Lehrer nun mal schwerer spielerisch und kontrolliert den Kindern etwas beizubringen.
Aber es ist möglich.
Leichter ist es natürlich zuhause, wie eljascha schon bei ihren französischen Freunden erwähnt hat.
Jedoch muss ich beim Heimunterricht ein striktes veto einlegen…
Mir würde es einfach nicht in den Sinn kommen meine Kinder zuhause zu unterrichten..
Nicht weil mir die Bildung fehlt, sondern aus ganz anderen sehr! wichtigen Gründen.
Abgesehen von den sozialen Kontakten die die Kinder dort knüpfen, pflegen, etc. hat das lernen in einer schulischen “Anstalt” auch noch andere Vorzüge.
Es sind dort einfach Personen die Erfahrung haben und man wird mit Sicherheit schon im frühen Alter auf das Arbeitsleben zurechtgewiesen.
Ohne diesem System würde die Menschheit eben nicht mehr existieren.(Das ist natürlich überspitzt ausgedrückt)
Allein die vielen Eindrücke egal ob negativ oder positiv die unsere Kinder von der Schule jeden Tag mitheimnehmen ist sehr sehr wichtig !
Ich will die Schule aber nicht liebreden.
Auch Lehrer sind nur Menschen und machen Fehler..
Das nur zu dem Thema “Heimunterricht”..
Ich weiß ich bin etwas vom Thema abgekommen aber das war mit einfach ein Bedürfnis = )
Danke,
mfg
Namor