Gehören die Kinder dem Staat?

By KiFaSchuLe

Am 10.06.2008 schrieb ich von den Plänen der Neuköllner SPD, härter gegen Schulschwänzer vorzugehen.

HIER kann nun jeder den genauen Text der Politikerpläne nachlesen.

Zitat:

Säule 3: Konsequenz im Umgang mit Schulverweigerung

Der Grundsatz, dass Kinder und Jugendliche zur Schule gehen müssen, gilt für alle. Die Regel

ist unabhängig vom kulturellen Hintergrund der Familien leicht zu verstehen. Sie ist konsequent durchzusetzen. Wir fordern:

● ein besonderes Augenmerk auf die Durchsetzung der Schulpflicht in der Woche vorund nach Ferienbeginn und -ende (z.B. durch Kontrollen auf Flughäfen),
● die Pflicht zur Erstattung von Schulversäumnisanzeigen spätestens nach fünfmaligem Schwänzen im Halbjahr,
● den sofortigen Aufbau eines zentralen Schüler-Verzeichnisses, das es der Polizei ermöglicht, aufgegriffene Kinder und Jugendliche unverzüglich ihrer Schule zuzuordnen,
● die Unterrichtung der Jugendhilfe über jede Schulversäumnisanzeige,
● die Einleitung amtlicher Ermittlungsvorgänge und ggf. Anrufung des Familiengerichts wegen Kindeswohlgefährdung, sobald dem Jugendamt zwei Schulversäumnisanzeigen bekannt geworden sind,
● die Regelüberprüfung nicht strafmündiger Straftäter, ob sie auch als Schulverweigerer auffällig geworden sind. In diesen Fällen ist stets gegen die Familien wegen Kindeswohlgefährdung vorzugehen,
● lösungsorientierte, enge Abstimmung zwischen den für Jugendliche und Kinder zuständigen Behörden (ggf. auch Polizei, Ausländerbehörde, Gerichte und Jobcenter),
● Weiterbildung für Jugendamtsmitarbeiter, damit sie dem staatlichen Wächteramt vor Gericht effektiv Geltung verschaffen können, und
● den familiengerichtlichen Entzug des Sorgerechts, wenn Kinder durch Schulverweigerung und Straftaten gefährdet sind, in den Schwellen- und Intensivtäterbereich abzurutschen.

Der Staat verfügt über die Kinder, als ob sie ihm gehören würden. Erschreckend.

Und als noch erschreckender empfinde ich die Tatsache, dass viele Mitbürger die obigen Maßnahmen als völlig angemessen auch noch begrüßen werden. Man muss durchgreifen, jawoll!

Es würde ja auch Chaos und Anarchie ausbrechen, wenn jedes Kind selbst über seinen Bildungsweg entscheiden dürfte. Was braucht der Staat denn auch selbstbewusste, selbständige Kinder. Das könnte nur Probleme geben, wenn sie erwachsen sind… :roll:

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3 Antworten zu “Gehören die Kinder dem Staat?”

  1. Martin sagt:

    In Berlin-Neukölln gehts wohl weniger um Bildungsfreiheit als um hilflose Antwortversuche auf soziale Probleme.

  2. 1000sunny sagt:

    Na hoffentlich wissen das die Politiker und Gerichte auch, ich habe das Gefühl, die wenden ihre Gesetze an, egal ob die Opfer gerade auf die Zielgruppe passen oder nicht :) oder eher :(

    Chaos != Anarchie (sprich Chaos ist ungleich Anarchie).

  3. KiFaSchuLe sagt:

    Hallo 1000sunny,

    ich habe das so formuliert, wie die Mehrheit wohl darüber denkt und wie es auch in den Medien rübergebracht wird. Chaos ist gleich Anarchie. Umgangssprachlich sozusagen.

    Ich persönlich weiß aber, das Anarchie kein Chaos bedeutet, sondern ganz im Gegenteil: Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft. :-)

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