Auf Brainlogs findet sich ein Interview über Lehrergewalt mit der Volljuristin und Pädagogin Dr. Catrin Lange.
Zwei Auschnitte:
Peter Schipek: Wenn Lehrer demütigen, drohen, gewalttätig werden, fühlen sich Schüler häufig hilflos. Was können Eltern tun, wenn sie vermuten, dass ihr Kind Opfer von Gewalt in der Schule ist – oder lassen Eltern ihre Kinder mit den Problemen zu oft allein?
Catrin Lange: Das war für mich die mit Abstand erschreckendste Erfahrung im Zusammenhang mit dem Thema “Lehrergewalt”: Eltern lassen ihre Kinder tatsächlich viel zu oft im Stich, wenn Lehrer schlagen. Die Argumente sind immer dieselben: Eltern haben Angst, dass ihre Kinder schlechte Noten bekommen, wenn sie sich beschweren und gegen das erlittene Unrecht, das ihren Kindern widerfahren ist, zur Wehr setzen. Eine Mutter, deren Sohn ein Hämatom von den Boxhieben seines Lehrers hatte, äußerte sich mir gegenüber so: “Ich weiß, dass das nicht sein darf, aber ich will nicht, dass mein Kind Nachteile hat, wenn ich das jetzt bei der Schulleitung melde.”
Die Botschaft, die diese Eltern ihren Kindern ungewollt vermitteln, lautet: “Deine Schulnoten sind mir wichtiger als Deine körperliche Unversehrtheit.” Was das für die Psyche der Kinder bedeutet, ist in vielen Fällen schlimmer als der Boxhieb selbst. Es ist aber sicher kein Zufall, dass Eltern in Schulen dulden, was sie anderswo nicht zulassen würden: Ein Erwachsener, der auf der Straße ein fremdes Kind schlägt, hat sofort eine Anzeige der Eltern am Hals. Ein Lehrer, der ein ihm zum Schutz anvertrautes Kind misshandelt, kann unbehelligt weiter unterrichten. In Deutschland steht Schule noch immer für Macht, Angst, Duckmäusertum und Unterwürfigkeit.…
Peter Schipek: Sie haben mit “Kischuno” eine Initiative gegen Lehrergewalt ergriffen. Wie können Eltern mehr Initiative wagen, sich stärker für ihre Kinder einsetzen?
Catrin Lange: In erster Linie muss sich die Schulaufsicht in solchen Fällen für die Kinder verantwortlich fühlen und auf die Rechtsverletzungen reagieren. Wir haben in Deutschland Schulpflicht, d.h. wir haben keine Wahl, ob wir unsere Kinder in die Schule schicken wollen oder nicht. Diese Schulpflicht lässt sich nur dann rechtfertigen, wenn der Staat seine Verpflichtung wahrnimmt, unsere Kinder während der Zeit zu schützen, in der sie seine Schulen besuchen.
Das tut er derzeit nicht in usreichendem Maße. Wenn Schulaufsichtsbehörden in Fällen von Lehrergewalt den Eltern auf ihre Hilfegesuche gar nicht antworten, wenn Lehrer, die auf schlagende Kollegen hinweisen, härtere Disziplinarmaßnahmen fürchten müssen, als die gewalttätigen Lehrer selbst, dann macht sich unser Staat mitschuldig.
Die katholische Kirche muss sich jetzt dafür rechtfertigen, dass sie jahrelang den Missbrauch von Kindern zugelassen hat. Ich hoffe, dass sich staatliche Behörden bald dafür rechtfertigen müssen, dass sie Kindern in Fällen von Lehrergewalt nicht beigestanden haben…
Schlagworte: Kischuno, Lehrergewalt, Schule, Schulpflicht
Donnerstag, 28.08.2008 um 12:42 |
Die Schule hat die Rolle übernommen, die Jahrhundertelang die Kirche hatte.
In der ersten Stunde sollten Kinder lernen, wie man Zeugnisse und Noten zerreißt (wenn sie denn schon in die Bildungsvollzugsanstalten müssen) und das Klassenzimmer gegen den Willen des Lehrers verlässt.
Als ich 1995 fertig war mit der Schule gab es immer noch “heiße Ohren” und “langen Hals”, das sollte ich vielleicht mal anzeigen. Oder?