Schluss mit der Dressurschule!

By KiFaSchuLe

In der SZ Wissen findet sich heute ein Interview mit dem Neurobiologen Gerald Hüther. Lesenswert!

Auszüge:

SZ Wissen: Es gibt Kinder, deren Tage so verplant sind, dass kaum Zeit zum Spielen bleibt.

Hüther: Eine Katastrophe! So ein Kind verliert seine Freiheit, weil es seine Potenziale nicht entfalten kann. Aus neurobiologischer Sicht ist das freie Spiel das beste Training für Kindergehirne überhaupt, für die Entwicklung der Persönlichkeit ist das ganz entscheidend.

SZ Wissen: Sollen denn Eltern und Erzieher die Kinder nicht motivieren?

Hüther: Es gibt keine Motivation von außen. Wir haben lediglich die Möglichkeit, die Motivation, die ein Kind von vornherein mitbringt, nicht kaputt zu machen.

SZ Wissen: Wie sollen sich Erwachsene also verhalten?

Hüther: Sie tun den Kindern einen großen Gefallen, wenn sie sich weniger einmischen und ihnen Raum für eigene Erfahrungen lassen. Denn eines wissen wir heute sicher: Lernen ist nur nachhaltig, wenn es erfahrungsbasiert ist. Es muss unter die Haut gehen! Das ganze Auswendiglernen kann man vergessen.

SZ Wissen: Viele Menschen sehen die Lösung in mehr Disziplin. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder auf private englische Internate, in denen es streng zugeht, und sie lesen Bücher wie „Lob der Disziplin“ von Bernhard Bueb, dem früheren Leiter des Internats Schloss Salem.

Hüther: Ein fataler Trugschluss! Das Kind soll in eine Form gepresst werden. Strengere Regeln, mehr Druck und schärfere Maßnahmen führen aber nicht zu Disziplin, sondern nur zu Gehorsam, und gehorsame Menschen hatten wir im letzten Jahrhundert zur Genüge.

SZ Wissen: Wie wird sich die Schullandschaft in den nächsten Jahren entwickeln?

Hüther: Wir müssen das System der Dressur- und Abrichtungsschule überwinden, dafür braucht es mutige Eltern, Lehrer und Rektoren. Ich bezweifle, dass das staatliche System diesen Sprung schnell genug schafft. Die Privat- und Alternativschulen werden sich immer mehr durchsetzen. Aber ich bin zuversichtlich: Es ist wunderbar viel Bewegung zu spüren.

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