Die Pädagogin Heike Link hat 1999 die erste Thüringer Aktiv-Schule in Emleben bei Gotha auf die Beine gestellt. Nun engagiert sie sich dafür, das das Konzept auch an einer Grundschule in Schmalkalden zum Tragen kommt.
Das Freie Wort hat die aktive Lehrerin interviewt.
Auszüge:
Aber es klagen doch zunehmend mehr Eltern darüber, dass ihre Kinder unter dem Leistungsdruck leiden.
H. Link: Aus meiner Sicht ein sinnloser Leistungsdruck. Das weiß ich, seitdem ich selber wieder unterrichte. Wenn ich sehe, wie zum Beispiel im Leistungskurs Biologie in die Tiefe gegangen wird, das ist schon wissenschaftliches Arbeiten. Die Schüler werden auf einem Gebiet in die Tiefe gedrückt, während sie auf anderen Gebieten nur an der Oberfläche schürfen. Der Praxisbezug kommt aus meiner Sicht oft zu kurz. Dafür wird viel auswendig oder nur für Tests und Klassenarbeiten gelernt. Die wichtigen Fächer sind untervertreten. Wenn ich eine Frage stelle, die selbstständiges Denken oder ungewohntes Herangehen erfordert, dann stelle ich nicht selten fest, viele Schüler können gar nicht um die Ecke denken.
Woran liegt das?
H. Link: Aus meiner Sicht wird ihnen das in der Schule ausgetrieben. Sie richten sich danach, was die Lehrer hören wollen. Ich möchte, dass Schüler mehr hinterfragen, sich nicht alles vorkauen lassen und alles für richtig und gegeben hinnehmen. Was Schüler sich teilweise bieten lassen! Häufig scheinen sie mir viel zu angepasst. Sie laufen lange absolut brav im System mit. Andererseits lässt die Bereitschaft, sich anzustrengen, häufig zu wünschen übrig. Wenn ich Schülern die Möglichkeit gebe, sich mit eigenen Ideen und Beiträgen einzubringen, sind sie oft recht träge.
Ihre Kollegen werden sicher nicht gern hören, dass Schule das Um-die-Ecke-denken austreibt.
H. Link: Und auch manche Schüler nicht. Es ist nicht mein Anliegen, Schüler oder Kollegen zu verletzen oder anzugreifen. Ich kenne viele wissbegierige Schüler und engagierte Lehrer, die sich teilweise ebenso gefangen fühlen im bestehenden System, das einfach nicht jedem gerecht werden kann. Mir geht es in erster Linie darum, Wahlmöglichkeiten zu schaffen.
Worum geht es Ihnen dabei?
H. Link: Vor allem darum, dass Kinder lernen wie man lernt, dass sie mit Freude lernen, sie gern Probleme lösen, nicht so schnell aufgeben, sich richtig in eine Sache reinknien. Kinder wollen und dürfen aus eigenem Antrieb lernen, was leider auch nicht an jeder Montessorischule klappt. Sie sollen nicht abhängig werden von Lob und Tadel des Lehrers. Wenn man etwas geschafft hat, macht das jeden zufrieden und glücklich. Ich möchte nicht, dass noch mehr Generationen groß werden, die einfach nur abnicken. Ich möchte, dass sie bewusster mit unserer Welt und anderen Menschen umgehen.
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Montag, 06.10.2008 um 03:42 |
Ich glaub net mal, daß (gesunde, normalbegabte) Kinder lernen müssen, wie „man“ lernt, sondern ich bin mir sicher, daß „man“ (jede/r die/der Einfluß nimmt) nur bissel aufpassen muß, daß sie net verlernen, wie „man“ (jede/r für sich) lernt.
Mein vierzehnjähriger Sohn hat nach sechs Jahren vollkommenem Unschooling (kein Unterricht in irgendwelchen schulischen Materien) heute etliche Matheaufgaben gelöst, manche ganz alleine, manche nach kurzer Einweisung durch mich. Das Interessante: Die Prozent- und Zinsrechnungen konnte er völlig alleine, das ist nämlich etwas, was im Leben praktisch vorkommt. Diese Aufgaben sind in dem Test, den er machte, in die höchste Schwierigkeitskategorie (3) eingeordnet. Helfen, d. h. eine Einweisung zu Formalien geben (z. B. wie dividiert man Brüche, was bedeutet „kürzen“ …), mußte ich ihm beim Bruchrechnen (das ist die mittlere Schwierigkeitsstufe – 2 – beim Test), aber den Sinn dahinter verstand er schnell und konnte die Formalien dann auch selbständig anwenden. Allgemein hatte er, auch bei den leichten Aufgaben (unterste Schwierigkeitsstufe – 1), immer schnell ein (richtiges) Ergebnis parat, konnte aber wenig damit anfangen, daß das Aufschreiben von Rechenwegen verlangt war. Er konnte es nicht so recht fassen, daß damit gemeint war, daß er aufschreiben sollte, wie er im Kopf rechnet, das was er denkt. Gruselig wird’s u. U. werden, wenn der Lehrer, der es korrigiert, auch noch auf ganz bestimmten Rechenwegen bestehen sollte. Denn bekanntlich führen nicht nur nach Rom viele Wege … (und mit einem fitten Vierzehnjährigen ist nicht so gut darüber diskutieren, warum sein Weg nun gerade nicht der „richtige“ sein soll).
Praktisch anwendbare Kompetenzen in den Kulturtechniken zu erwerben (und um mehr geht’s auf Hauptschulniveau ja nicht), ist wirklich kein Hexenwerk. Kaum zu glauben, daß das aber einer größeren Anzahl von Schülern nicht gelingt.